Weißt Du, wieviel Sternlein stehen

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Weißt Du, wieviel Sternlein stehen

Datei:Weißt Du, wieviel Sternlein stehen.jpg

Text Wilhelm Hey (1759 - 1854)
Melodie Volkslied um 1800
Urheberrecht
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\addlyrics {
Weißt du, wie viel Stern -- lein steh -- en
an dem blau -- en Him -- mels -- zelt?
Weißt du, wie viel Wol -- ken geh -- en
weit -- hin ü -- ber al -- le Welt?
Gott der Herr hat sie ge -- zäh -- let,
dass ihm auch nicht ein -- es feh -- let
an der gan -- zen gro -- ßen Zahl,
an der gan -- zen gro -- ßen Zahl.
}


Weißt du, wie viel Sternlein[Anm. 1] stehen
an dem blauen Himmelszelt?
Weißt du, wie viel Wolken gehen
weithin über alle Welt?
Gott der Herr hat sie gezählet,
dass ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl.

Weißt du, wie viel Mücklein spielen
in der heißen[Anm. 2] Sonnenglut,
wie viel Fischlein auch sich kühlen
in der hellen Wasserflut?
Gott der Herr rief sie mit Namen,
dass sie all' ins Leben kamen,
dass sie nun so fröhlich sind.

Weißt du, wie viel Kinder frühe
stehn aus ihrem[Anm. 3] Bettlein auf,
dass sie ohne Sorg' und Mühe
fröhlich sind im Tageslauf?
Gott im Himmel hat an allen
seine Lust, sein Wohlgefallen;
kennt auch dich und hat dich lieb.[1][2]

  1. bei Hey: Sterne
  2. bei Hey: hellen
  3. bei Hey: ihren

Ursprung

Weißt du, wie viel Sternlein stehen ist ein deutschsprachiges Volkslied. Der Text stammt von dem evangelischen Pfarrer und Dichter Wilhelm Hey (1789–1854), der ihn 1837 erstmals veröffentlichte. Bei der Melodie handelt es sich um eine Volksweise, deren heutige Fassung seit 1818 belegt ist.

Inhalt

Das Lied wird gemeinhin als Abend- und Wiegenlied gesungen, zumal die „Sterne am Himmelszelt“ seit Paul Gerhardts Nun ruhen alle Wälder (1647) ein gängiges Motiv dieser Liedgattung sind. Bei näherer Betrachtung des Textes fällt allerdings auf, dass erst in der dritten Strophe vom Schlaf die Rede ist, und dort aber von Kindern, die morgens nach dem Schlaf wieder aufstehen. Tatsächlich handelt das Lied von der Sorgfalt und Achtsamkeit, die Gott seiner Schöpfung entgegenbringt. Der Text nimmt das biblische Bild des sternenübersäten Himmels für die unzählbar große Nachkommenschaft auf (1 Mos 15,5 LUT). Das „Zählen“ ist im Alten Testament ein göttlicher Herrschaftsakt, der den Menschen nicht zusteht (Ps 87,6 LUT; Dan 5,26 LUT; 2 Sam 24,2-17 LUT). Die zweite Strophe konkretisiert dieses Bild, indem Gott die Geschöpfe beim Namen ruft (Jes 40,26 LUT). Die Form des Liedes besteht strophenweise aus fiktiven Frage-Antwort-Spielen, bei denen auf die immer gleiche rhetorische Frage „Weißt du, wie viel …“ eine belehrende Antwort folgt. Die Volksliedforschung reiht das Lied unter die Rätsellieder ein.[3] Das Lied wurde in das Evangelische Gesangbuch (Nr. 511) im Abschnitt „Natur und Jahreszeiten“ aufgenommen.[4]

Geschichte

Wilhelm Hey veröffentlichte den Text erstmals 1837 im „ernsthaften Anhange“ seiner zweiten Sammlung für Kinder Funfzig neue Fabeln,[5] die der Verleger Friedrich Christoph Perthes zunächst[6] anonym herausgab und die im 19. Jahrhundert vielfach nachgedruckt wurde. Derselben Sammlung entstammt auch das Weihnachtslied Alle Jahre wieder.

Dem Erstdruck von 1837 sollen fünf Notenblätter beigegeben gewesen sein,[7] die auch die Melodiezuordnung von Weißt du, wie viel Sterne stehen erstmals belegen. Die Melodie ist dem Liebeslied So viel Stern’ am Himmel stehen entlehnt. Ein Text mit diesen Anfangsworten, aber dreizeiligem Strophenaufbau, findet sich 1808 im zweiten Band von Des Knaben Wunderhorn.[8] 1818 erweiterten die Herausgeber des Buches Deutsche Lieder für Jung und Alt die Strophenform dieses Textes, um den Text einer Volksweise unterlegen zu können.[9][10][11] Es wird vermutet, dass dieses Lied Hey möglicherweise als Vorbild diente, da der Strophenbau weitgehend übereinstimmt und die ersten beiden Textzeilen große Ähnlichkeiten aufweisen. In Gottfried Wilhelm Finks Musikalischem Hausschatz von 1843 ist die Melodie mit beiden Texten abgedruckt.[12] Die Melodie ist ihrerseits dem Soldatenabschiedslied O du Deutschland, ich muss marschieren entlehnt, das von Ludwig Erk und Wilhelm Irmer als „Soldatenlied aus den Kriegsjahren 1813–15“ veröffentlicht wurde.[13] Dieser Datierung widerspricht August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der bezeugt, das Lied schon 1809 anlässlich der Napoleonischen Kriege gehört zu haben, „als die Westphalen nach Spanien ziehen mußten. Es passt auch viel mehr zu der Zeit 1809–12 als zu der späteren, wo der Krieg im Lande selbst geführt wurde“.[14][15][16] Eine patriotische Umdichtung des Soldatenliedes schuf 1815 Ernst Moritz Arndt.[17]

Weitere Vertonungen des Texts stammen von Lorenz Kraußold (1836), Friedrich Silcher (1841)[18], Carl Gottlieb Reißiger (1841) und Carl Wilhelm Fliegel (1854)[19].

Rezeption

In seinem Text „Er ist ein Pedant …“ aus dem Zyklus Nachher bedient sich Kurt Tucholsky des Liedes, um sich über die Vorstellung von Gott als einem pedantischen, alles zählenden Buchhalter lustig zu machen; zugleich moniert er die altertümelnde, feierliche Sprache des Gedichts.[20]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Wilhelm Hey: Noch funfzig Fabeln für Kinder. Perthes, Gotha 1850, S. 96 (Vorlage:PGDW).
  2. Wilhelm Hey: Noch funfzig Fabeln für Kinder. In Bildern gezeichnet von Otto Speckter. Nebst einem ernsthaften Anhange. Neue Ausgabe. Perthes, Gotha o.J. [1877], Anhang S. 20 f. (Digitalisat).
  3. Lutz Röhrich: Rätsellied. In: Rolf Wilhelm Brednich, Lutz Röhrich, Wolfgang Suppan (Hrsg.): Handbuch des Volkslieds. Band 1. Wilhelm Fink, München 1973, S. 205–233, hier S. 231. Abgedruckt in: Lutz Röhrich: Gesammelte Schriften zur Volkslied- und Volksballadenforschung. Waxmann, München 2002, ISBN 3-8309-1213-7, S. 165–200, hier S. 197.
  4. Evangelisches Gesangbuch. Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Bayern und Thüringen. 2. Auflage. Evangelischer Presseverband für Bayern e.V., München 1995, ISBN 3-583-12100-7, S. 895.
  5. Die Angabe, dass der Text schon 1816 in Wilhelm Heys Gedichten erschienen sei (siehe: Gustav Mußmann, Anton Kippenberg, Friedrich Michael (Hrsg.): Als der Großvater die Großmutter nahm. 5. Auflage. Insel, Leipzig 1922, S. 436, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3Dalsdergrossvater00leipuoft~MDZ%3D%0A~SZ%3D436~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D) entspricht nicht den Tatsachen.
  6. Spätere Auflagen erschienen mit dem Namen des Textverfassers, so die Ausgabe von 1852.
  7. Diese Beilagen fehlen in den modernen Faksimilieausgaben
  8. Achim von Arnim, Clemens Brentano: Des Knaben Wunderhorn. Band 2. Heidelberg, 1808, S. 199 (Digitalisat).
  9. Karl August Groos, Bernhard Klein: Deutsche Lieder für Jung und Alt. Realschulbuchhandlung, Berlin 1818, S. 19.
  10. Hoffmann von Fallersleben, Karl Hermann Prahl: Unsere volkstümlichen Lieder. 4. Auflage. Engelmann, Leipzig 1900, S. 225 f. (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3Dunserevolkstmli00unkngoog~MDZ%3D%0A~SZ%3Dn240~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  11. Ludwig Erk, Franz Magnus Böhme: Deutscher Liederhort. Band 2. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1893, S. 391 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3Dbub_gb_dePoAAAAIAAJ~MDZ%3D%0A~SZ%3Dn399~doppelseitig%3Dja~LT%3D~PUR%3D).
  12. Gottfried Wilhelm Fink: Musikalischer Hausschatz der Deutschen. Eine Sammlung von 1000 Liedern und Gesängen mit Singweisen und Klavierbegleitung. Mayer und Wigand, Leipzig 1843, S. 16 (Digitalisat).
  13. Ludwig Erk, Wilhelm Irmer: Die deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen Band 1, Heft 4. Plahn, Berlin 1839, S. 6 (Digitalisat).
  14. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Ernst Richter: Schlesische Volkslieder mit Melodien. Aus dem Mund des Volks gesammelt. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1842, S. 294 f. (Digitalisat).
  15. Wolfgang Steinitz: Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten. Band 1. Akademie-Verlag, Berlin 1954, S. 437–440.
  16. Ludwig Erk, Franz Magnus Böhme: Deutscher Liederhort. Band 3. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1894, S. 244 f. (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3Dbub_gb_NuwzAQAAMAAJ~MDZ%3D%0A~SZ%3Dn249~doppelseitig%3Dja~LT%3D~PUR%3D).
  17. O du Deutschland, ich muß marschieren von Ernst Moritz Arndt, Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht
  18. Friedrich Silcher: Zwölf Kinderlieder aus dem Anhange des Speckter’schen Fabelbuches. The LiederNet Archive
  19. Weißt du wie viel Sterne stehen The LiederNet Archive
  20. Kurt Tucholsky: „Er ist ein Pedant, …“ In: Die Weltbühne 20. Oktober 1925. online bei Wikisource
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