Willkommen in Syrien

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Der deutsche Reisepass sei einer der mächtigsten in der Welt. Für Sysrien braucht es dennoch ein Visum, rechtzeitig zuhause beantragt und mit vielen Gebührenmarken und Stemplen im Pass verankert. Idividualtourismus ist in Syrien eher ungewöhnlich, eher schon reist man in Gruppen zu den berühmten Ausgrabungen, auf jeden Fall nicht mit dem Fahrrad zu einem Grenzübergang in der Provinz.

Meine Berührungen mit der arabischen Welt beschränken sich bisher auf eine überstürzte Reise im Opel Kadett mit drei Freunden nach Marokko in die Wüste, die vier Königsstädte und wieder zurück. Entsprechend anstrengend habe ich dies in Erinnerung.

So verlasse ich die Türkei mit gesmischten Gefühlen, was nun wohl auf mich zukommem mag. Einen Monat bin ich nun schon auf dem Fahrrad unterwegs. Vor mir liegt das fünfte Land meiner Reise. Nach der türkischen Grenze reißt die Wolkendecke auf, die Sonne begleitet mich durch das Niemandsland bis zum syrischen Grenzübergang.

Es ist ein kleiner Posten, ein deutscher Radfahrer wird hier nicht erwartet. Ich werde ins Büro des Vorstehers gebeten. Er kontrolliert meinen Reisepass mit Visa, draussen wird mein Gepäck am Fahrrad abgetastet und schon wünschen die Grenzbeamten mir eine gute Reise in ihrem Land. Von dem obligatorischen Zwangsumtausch zum staatlichen Kurs ist keine Rede. Ich radele davon, bin mir aber unsicher, ob ich nicht den vorgeschriebenen Umtauch meiner Devisen hätte beachten müssen. Nicht das dies noch ein Nachspiel hat.

Fürs erste aber entspannt dies meine Reisekasse deutlich. Denn ich wüsst nicht, wie ich sonst den geforderten Betrag überhaupt ausgeben könnte oder wieder ausführen dürfte.

Syrien empfängt mich mit dem ersten wirklich sonnigen Wetter dieser Reise. Es wird bergiger, die Menschen sind freundlich, etwas reservierter, als in der Türkei und immer überrascht, einen Reisenden mit Fahrrad zu sehen.

In Lattakya versuche ich einzukaufen. Aber dazu muss ich erstmal herausfinden, wo es was gibt. In den kleinen Läden finde ich auf jeden Fall die nötigen Konserven und Trockenprodukte. Aber wo gibt es Brot? Ich versuche mich zur nächsten Bäckerei durchzufragen. Ein kleiner Junge nimmt mich an die Hand und zeigt mir den Weg. Vor einem Loch in der Wand ist ein kleiner Tumult. Tütenweise wandern Fladenbrote raus und Geldscheine rein in das Fenster der Bäckerei. Kein Schild, kein Hinweis, das es hier Brot gibt, alleine hätte ich das nie gefunden.

Die Menschentraube vor der Bäckerei teilt sich und schiebt mich nach vorne, man bedeutet mir, ich solle bestellen. Ja, Brot hätte ich gerne und bekomme eine Tüte mit mindestens zwanzig Fladen in die Hand gedrückt. Nein, nein, soviel benötige ich nicht, ob es denn nicht auch weniger gibt? Ich merke schon, ich halte den ganzen Laden auf. Die Traube hinter mir schließt sich wieder, die Bäcker wollen weiter Geschäfte machen. Mir drücken Sie eine Handvoll Fladen in die Hand. Bezahlen darf ich nicht.

Ich freue mich über soviel Freundlichkeit und Zuvorkommen. Das Land entspannt mich und gibt mir das Gefühl wirklich willkommen zu sein. Als ich am Meer mein Lager aufschlage, unweit einer kleinen Siedlung, stehen gleich zwei Bauern parat, die mich gerne zu sich in ihre Häuser einladen möchten. Sie können sich nicht vorstellen, dass ich draußen im Zelt schlafen möchte, dabei haben sie hier einen wunderbaren schwarzen Kiesstrand. Und ein prächtiges Wetter. Bei aller Gastfreundschaft, ich möchte gerne den Nachmittag am Meer genießen.

Später patroullieren zwei Soldaten mit Kalaschnikow am Strand entlang und verwickeln mich so gut es eben ins Gespräch. Danach habe ich den Strand für mich alleine, die Sonne wird bald unter gehen und meist geht damit auch mein Tag zu Ende. Doch ich muss mich nochmal mit zwei Soldaten und einem Beamten in Zivil beschäftigen. Scheinbar ist denen nicht so ganz geheuer, was ich hier tue. Ich sei auf militärischem Sperrgebiet, erklärt mir der Beamte und da dürfte ich eigentlich nicht sein. Ja, aber zum abbauen und weiterfahren sei es nun auch zu spät. Wie lösen wir das nun? Wenn er mein Gepäck kontrollieren darf und ich ihm meine Personalien gebe, dann darf ich bis morgen früh bleiben. Daran soll es von meiner Seite aus nicht scheitern.

Zu guten Letzt werden die beiden Soldaten abkommandiert, um meinen Strandabschnitt (oder mich) zu bewachen. Im Mondlicht sehe ich immer wieder ihre Schatten vorüberziehen. So gut behütet habe ich auf der ganzen Reise noch nicht geschlafen.